
Vom Ich zum Wir: Harte Arbeit an Soft-Skills
Schulen reagieren auf Arbeitswelt – Beispiel BBS Ingelheim am Rhein
Ingelheim. Für Unternehmen gewinnen die so genannten Soft Skills, also fachübergreifende Kompetenzen, bei der Bewerberauswahl mehr und mehr an Bedeutung. Diese These ist schon länger in aller Munde – jetzt wurde sie auch wissenschaftlich bestätigt. Wie das Bundesinstitut für Berufsbildung in einer im Sommer 2009 veröffentlichten Studie ermittelt, halten deutsche Unternehmen Sozial-, Methoden- und Personalkompetenzen für immer wichtiger. Darauf müssen auch Schulen reagieren – und sie tun das. Die Berufsbildende Schule in Ingelheim etwa hat Trainingstage und projektorientiertes Arbeiten fest in ihre vollzeitschulischen Konzepte integriert. Einige der Maßnahmen kommen besonders jetzt zum Schuljahresbeginn zum Tragen.
Er ist der Leichteste. Deswegen haben ihn die Mitschüler gebeten, die Aufgabe zu übernehmen. Er hangelt sich mit Händen und Füßen am Seil entlang. Den Boden sollte er lieber nicht berühren, denn dort befinden sich glühende Kohlen. Die Mitschüler ziehen das Seil nochmal fest. Zwei Meter noch, dann langt Jan unter sich. Jetzt das Seil etwas lockern. Der 16-jährige greift nach dem Zettel – und hat ihn. Wieder anziehen, und der Schüler kann sich die letzten Meter am Seil entlanghangeln. Jetzt hat er wieder festen Boden unter den Füßen. Applaus und Freude beim gesamten Team. Es konnte nicht wirklich was passieren, denn die Kohlen waren nur imaginiert. Jan hangelte sich einen Meter über den weichen Waldboden. Die nachfolgende Besprechung zeigt trotzdem: Die Schüler haben im wahrsten Sinne des Wortes „erlebt“, was es heißt, gemeinsam eine Aufgabe zu bewältigen. Wie wichtig es ist, miteinander zu kommunizieren, um zu Lösungen zu kommen. Sie diskutieren heftig, was es bedeutet, dass sich einige Mitschüler aus der erlebnispädagogischen Übung herausgezogen haben.
Zweieinhalb Tage und zwei Nächte haben die zwei Klassen der Berufsfachschule II (BF II) der BBS Ingelheim ihre so genannten Trainingstage im Jugendheim Emmerichshütte auf dem Hunsrück verbracht. Statt Mathematik, Deutsch oder Technik standen hier die Soft-Skills Teamfähigkeit, Kommunikationsbereitschaft, Selbsteinschätzung und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen auf dem Stundenplan. Hans-Wolfgang Fluche, Schulleiter der BBS Ingelheim: „Wissenschaftliche Ergebnisse zeigen, dass die Fachkompetenz zwar immer noch eine wichtige Rolle bei der Bewerberauswahl spielt, die ‚weichen Kompetenzen’ aber immer mehr an Bedeutung gewinnen. Darauf haben wir in Ingelheim längst reagiert.“ Aus guten Grund, denn: Besonders die Schülerinnen und Schüler der Berufsfachschule - hier werden Grundlagen für bestimmte Berufsfelder in vollzeitschulischer Form vermittelt – haben diese überfachlichen Kompetenzen häufig nicht erworben. Fehlende Konfliktlösefähigkeiten oder Selbstüberschätzung legen Zeugnis davon ab.
Die Trainingstage der BF II in der Emmerichshütte Ende September sind dabei nur ein Baustein von vielen. Einige Beispiele – erstens: In der zweiten Schulwoche fand ein Vormittag mit dem Teamer und Sozialpädagogen Sven Engel im Haus der Jugend in Ingelheim statt. Zweitens: Das Verhalten der Schüler wird immer wieder in fest in den Stundenplan integrierten Einzelgespächen reflektiert. Drittens: Das praktische Erfahren der erlernten Fähigkeiten kommt in Projektabeiten zum Ausdruck, die mittlerweile ihren festen Platz im Jahresplan haben. „Uns ist es wichtig, dass einzelne Elemente mit anderen vernetzt werden. Nur so wird den Schülerinnen und Schülern der Sinn einsichtig“, erläutert Mechtild Wasem-Ferch, Schulleitungsmitglied und maßgeblich veranwortlich für Konzeptionierung und Umsetzung der Maßnahmen in der Berufsfachschule.
Die Schülerinnen und Schüler der BF II kennen einige Ansätze bereits. Denn bereits während der Berufsfachschule I (BF I) im vergangenen Jahr haben sie sich in den klassischen Soft Skills geübt. Vor wenigen Wochen haben die Schüler der BF I den Teamtag „Vom Ich zum Wir“ absolviert. Ab Oktober finden für die entsprechenden Schüler Berufszielfindungstrainings statt, bei denen es vor allem darum geht, die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen. Im Januar nehmen die jungen Leute am Seminar „Selbstwertsteigerung“ teil. „Trotz kurzer Bildungsgänge von nur jeweils einem Jahr sind wir davon überzeugt, dass es sich lohnt, relativ viel Zeit in die Arbeit an Personal-, Sozial- und Methodenkompetenzen zu investieren“, so Fluche.
Der an der BBS Ingelheim eingeschlagene Weg wird dort nicht nur in der Berufsfachschule bestritten. Auch andere vollzeitschulische Bildungsgänge – das Berufsvorbereitungsjahr und die Höhere Berufsfachschule Sozialassistenz – setzen gezielte Akzente hinsichtlich des Ausbaus der „weichen Fähigkeiten“.
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Die Klasse BF II HwGP 09 während der Trainingstage in der Emmerichshütte: Besondere Probleme erfordern kreative Lösungen – die oft nur im Team gelingen.
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Zum Gelingen eines gemeinsamen Projekts braucht es jeden Einzelnen. Das erfahren die Schüler der BF I Hw09a hier beim Teamtag am Ikasee.
Für weitere Informationen steht Ihnen Herr Torsten Kühn-Schad, BBS Ingelheim, gerne zur Verfügung.
BBS Ingelheim
Torsten Kühn-Schad
Wilhelm-Leuschner-Str. 25
Tel. 06132/7196-0
E-Mail: kuehn-schad@bbs-ingelheim.de


tummaadatly | 6.12.2011 14:25









