
Als Veranstalter kann einem in einer solchen Situation schon einmal das Herz in die Hose rutschen. Eine Stunde vor Beginn einer ausgebuchten Großveranstaltung sagt der als Zugpferd engagierte
Hauptreferent ab. Das ist dem Sportbund Rheinhessen bei seinem 4. Mainzer Lauf-Kongress zum Novo Nordisk Gutenberg-Marathon Mainz im SWR-Foyer passiert – und es blieb ohne Folgen. Zum einen, weil alle anderen Programmpunkte die rund 160 Teilnehmer begeisterten, zum anderen, weil mit Dr. Ronald Burger noch vor Ort ein Ersatz für den erkrankten Lauf-Experten Herbert Steffny gefunden wurde, der genau den Nerv der Anwesenden mit seinem Ad-hoc-Vortrag traf.
Organisatorin Heike Franke, Referentin für Breitensport beim Sportbund Rheinhessen, reagierte schnell, nach dem sie von der Erkrankung von Olympiateilnehmer Steffny erfahren hatte: „Er hat Grippe und kann unmöglich referieren.“ Während sie im Hintergrund des Kongresses an einer Lösung des Problems bastelte, überzeugte Prof. Perikles Simon (Leiter der Abteilung Sportmedizin der Uni Mainz) bereits die Menschen in der proppenvollen SWR-Halle. Ihn angekündigt hatten Karin Augustin, Präsidentin des Sportbundes Rheinhessen, sowie Paul Blaschke, Präsident des Leichtathletik-Verbandes Rheinhessen, und Dr. Ronald Burger (Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sportwissenschaft der Uni Mainz) - gemeinsam mit der Stadt Mainz und dem Deutschen Leichtathletik-Verband Partner der Veranstaltung - mit Grußworten. Neben den Referaten gab es eine Ausstellung des Sportbundes Rheinhessen zu seinem 60. Geburtstag zu sehen und eine Informationsmeile mit Ständen zur Leistungsdiagnostik. Prof. Perikles Simon zeichnete in einem eindrucksvollen Vortrag „Sinn und Unsinn von Leistungsdiagnostik und sportmedizinischen Untersuchungen“ nach. Eine wichtige, aber auch ernüchternde Bilanz zog er aus seinen Untersuchungen zur Sauerstoffaufnahme und Ausdauerfähigkeit.
„Es gibt einfach Leute, die haben genetisch ein Riesentalent.“ Doch auch für solche gelte: „Nicht überlasten.“ Letzteres machte dann auch in der Podiumsdiskussion die Runde. Nachdem Christian
Döring, Moderator der SWR-Sportsendung Flutlicht, die Fragen der Kongress-Teilnehmer aufgenommen hatte, begann die Expertenrunde diese zu beantworten. Neben Döring saßen Dr. Burger, Prof. Simon sowie Dr. Klaus Gerlach (Mannschaftsarzt von Mainz 05) und Prof. Dr. Michael Macsenaere (Direktor des Instituts für Kinder- und Jugendhilfe Mainz) im Podium. Zur Grippewelle bekannte Dr. Gerlach: „Bei Mainz 05 impfen wir nicht, noch fehlt es an ausreichenden Erkenntnissen dafür.“ Sein Rat: „Bei einem Infekt pausieren, er muss in Ruhe ausklingen.“
Nicht unbedingt Ruhe, aber auf keinen Fall Stress darf es nach Meinung von Prof. Macsenaere beim Hobby Laufen geben. „Nur kein zweites Stressfass neben dem Beruf aufmachen“, warnte er. Dass bei Marathonläufern Wissenschaft an Grenzen stößt, zeigten Dr. Burger und Prof. Simon. Burger erzählte von einer Studie, „die zeigen sollte, dass sich die Lebenszeit pro gelaufenem Kilometer am Tag verlängert“. Ein Rätsel für die Wissenschaft stellen zurzeit noch die kenianischen Spitzenläufer dar, so Simon. „Sie ernähren sich so, dass sie eigentlich ständig weiter abnehmen müssten. Das passiert aber nicht, was wir nicht erklären können.“ Döring formulierte darauf die – nicht ganz ernst gemeinte – These:
„Dann müssen sich Deutsche einfach nur genauso ernähren?“ Nach gut zwei Stunden endete eine äußerst interessante und unterhaltsame Podiumsdiskussion, an deren Anschluss Dr. Burger als Fachmann in Sachen Bewegungswissenschaft anschaulich und fundiert – praktisch aus dem Stand heraus – über Schrittlängen und –frequenzen informierte.
Thorsten Richter
Öffentlichkeitsarbeit / Marketing


qmzjamjklv | 4.05.2010 13:04





